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Kreis Warendorf - 16.03.2007 um 17:14
Warendorf: Gedemütigte Heimkinder finden Gehör
Von ANJA KÖHLER
Warendorf / Berlin (gl). Der „Verein ehemaliger Heimkinder“, in dem die Warendorferin Regina Eppert als Zweite Vorsitzende an vorderster Front kämpft, hat einen ersten Erfolg errungen. Einen Erfolg auf dem langen Weg, dass das Leid unzähliger ehemaliger Heimkinder aus kirchlichen und staatlichen Erziehungsanstalten öffentlich anerkannt wird.
Schläge, Isolation, Zwangsarbeit, Demütigungen, Missbrauch - in deutschen Kinder- und Jugendheimen wurden zwischen 1945 und 1975 unzählige Kinder und Jugendliche misshandelt und traumatisiert. Jetzt haben neun Betroffene ihr Heimschicksal und ihre Lebensgeschichten den Mitgliedern des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages schildern können.
Regina Eppert war bei der Anhörung in Berlin, an der die Obleute aller Fraktionen sowie Vertreter der Ministerien für Justiz, Inneres, Familie und Gesundheit teilgenommen haben. Die 63-Jährige selbst hatte kein Vortragsrecht, sprach aber mit Beteiligten.
Auch die Warendorferin gehört zu den gequälten Heimkindern. Sie war einige Jahre „als Fürsorgezögling“ im Dortmunder Vincenzheim eingesperrt“, wie sie erzählt. Im vorigen Jahr hat sie ihre Erinnerungen unter ihrem Mädchennamen Page im Buch „Der Albtraum meiner Kindheit und Jugend - Zwangseinweisung in deutsche Erziehungsheime“ veröffentlicht.
Der „Verein ehemaliger Heimkinder“ hat sich 2004 gegründet und eine Petition an den Bundestag gerichtet, um eine Aufarbeitung „dieses unrühmlichen Kapitels deutscher Sozialgeschichte der Nachkriegszeit zu erreichen“, erläutert Michael Peter Schiltsky, der die Anlaufstelle des Vereins für Betroffene leitet und dem Petitionsausschuss von den schrecklichen Ereignissen im Knabenheim in Westuffeln in Werl berichtete, wo er zeitweise leben musste.
Der Bildhauer zieht eine positive Bilanz der Anhörung: „Es war deutlich zu spüren, dass die anwesenden Abgeordneten des Petitionsausschusses sowie Vertreter anderer Ministerien und Ausschüsse mit außerordentlicher Konzentration den annähernd zweieinhalb Stunden dauernden Vorträgen der Betroffenen folgten.“ Die Obleute der einzelnen Fraktionen seien deutlich „erschüttert und berührt von den Lebensgeschichten der Heimkinder“ gewesen. Regina Eppert berichtet, dass „die Betroffenen regelrecht erleichtert waren, jemandem ihr Leid schildern zu können. Es war, als wäre eine schwere Last von ihnen gefallen.“
Die Abgeordneten gaben zu verstehen, dass sie die „Notwendigkeit einer gemeinsamen Vorgehensweise aller Fraktionen sehen und anstreben wollen, eine gemeinsame, Fraktionen übergreifende Entscheidung des Petitionsausschusses zu finden, um der Problematik ehemaliger Heimkinder und den Forderungen der dazu vorliegenden Petitionen gerecht zu werden“, fasst Schiltsky zusammen.
Zu den wesentlichen Forderungen der Petition gehört die Anerkennung der erlittenen Menschenrechtsverletzungen, Wiedergutmachung in Form von Rentenansprüchen, Finanzierung von Therapien sowie Anerkennung einer moralischen Schuld des Staates. Die Berichte der Betroffenen vor dem Petitionsausschuss sind auf der Internetseite des Vereins ehemaliger Heimkinder nachzulesen.
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